Die Egeriagrotte im Lustgarten
vom Rheinsberger Schloss

Die Egeriagrotte befindet sich im Lustgarten des Schloss Rheinsberg und ist neben dem August Wilhelm-Rondell, dem Heckentheater und der Grabpyramide eine weitere Sehenswürdigkeit im Schlosspark.

Um das Jahr 1790 herum wurde für den Prinzen Heinrich im Schlossgarten Rheinsberg die Grotte der „Egeria“ errichtet und mit einer Figur der Nymphe (Naturgeist) Egeria aus „gebranntem Ton“ geschmückt.

Bald schon nach dem Tode des Prinzen Heinrich (1802) setzte der Verfall der Grotte ein. Im Jahr 1900 stürze das große Grottengewölbe ein und da auch der gewölbte Zugang einzustürzen drohte, wurden die Fenster und der Eingang zugemauert und der Gang verfüllt.
Bei Sicherungsarbeiten in den Jahren um 1980 wurde das Grottengewölbe nicht wieder aufgeführt.

2006 begann die „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“ (SPSG), unterstützt durch finanzielle Mittel der „Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten“, mit den Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten der Egeriagrotte. Bei Voruntersuchungen in Archiven stieß man auf bislang unbekannte Fotos vom Ende des 19. Jahrhunderts. Archäologische Voruntersuchungen konnten den noch aus der Erbauungszeit erhaltenen Uferverbau des vor gelagerten Teiches nachweisen und Fundamente des oberhalb der Grotte gelegenen Bacchustempels freilegen. Ferner wurden bereits bei den Voruntersuchungen erste Überreste der einstigen Dekoration, wie farbige Glassteine, weiße Terracotta Muscheln und Marmorstücke des Grottenraumes (Grottierwerk) gefunden.

Mit großer Vorsicht musste, auf Grund der dichten Befundlage, bei den folgenden Instandsetzungsarbeiten der Grotte vorgegangen werden. Zunächst wurden die Ursachen für den fortschreitenden Verfall beseitigt, d. h. der Erddruck, der von dem anstehenden Hang auf das Gebäude drückte und bereits Mauern verrückt hatte, wurde mit Drahtgitterkörben (Gabionen) abgefangen und das die Erde berührende Mauerwerk wurde saniert und gegen Feuchtigkeit abgedichtet. Nach der Räumung des Grottenganges und der Siebung sämtlichen Verfüllmaterials (hierin befanden sich auch Reste des ehemaligen Grottierwerkes) wurden die Flügelmauern in ihrer ursprünglichen Höhe wieder aufgebaut und das Gewölbe wieder hergestellt. Auf eine weitgehende Oberflächengestaltung wurde verzichtet, da der restauratorische Befund lediglich nachweisen konnte, dass die Mauerwerksflächen geschlemmt waren. Begrüßt wurde seitens des denkmalpflegerischen Konzeptes zur Instandsetzung der Egeria-Grotte, die langfristige Wiederherstellung der Grottenraumgeometrie und somit das Aufstellen einer Ersatzfigur anstelle der verschollenen Egeria-Figur.
Über die Originalfigur war wenig bekannt und so wurde die weitere Gestaltung offen gelassen.

Im Zuge der Wiederherstellung des Uferbaues vor dem Grottenraum stieß man im September 2007 im Schlamm auf Fragmente der verschollen geglaubten Figur der Egeria. Anhand dieser Funde kann nun abgesichert werden, dass die Figur nicht dem Bildwerk der ab 1788 errichteten Egeria-Grotte in Wörlitz nachgebaut wurde, sondern dass die Figur ein berühmtes antikes Vorbild in Rom hatte.

Im Tal vor der Porta Campena in Rom gab es ein Nymphäum, die „Grotte der Egeria“, die im 18. Jahrhundert durch Reisende, aber vor allem durch Darstellungen, wie die Kupferstiche Piranesis, berühmt geworden war. Die Nymphe Egeria soll die Geliebte des sagenumwobenen zweiten Königs von Rom, Numa Pompilius, gewesen sein. Der Legende nach beriet sie ihn bei wichtigen Entscheidungen und wies ihm so den Weg zu weiser Herrschaft. Ein Abbild der Grotte fand vielfachen Niederschlag in Gartenarchitekturen des 18. Jahrhunderts.